Von einer, die auszog und ihre Träume verwirklichte

Von einer, die auszog und ihre Träume verwirklichte

Nach unserer Reise wurde ich von Dorothea Fischer für die Zeitung Main-Post interviewt. Dorothea hat zur Begegnung mit mir einen Beitrag für ihren persönlichen Blog Wortakrobatik am 18.08.19 geschrieben.

Im Frühjahr durfte ich eine ganz besondere Frau kennenlernen: Stefanie Bauer empfing mich braun gebrannt zum Interview. Sie strahlte – ebenso wie ihr kleiner Sohn – von innen heraus eine tiefe Zufriedenheit aus, wie man sie bei nur wenigen Menschen erlebt. Sie wirkte absolut authentisch und steckte mich mit ihrer guten Laune an. Woher die kam, erzählte sie mir Gespräch.

Nur kurze Zeit zuvor saß Stefanie mit Mann und Kleinkind entspannt am Strand in Neuseeland. Sie lauschte den Wellen und ließ die Gedanken schweifen. Die kleine Familie lebte in den Tag hinein, machte eine mehrmonatige Reise ans andere Ende der Welt. Dann eine Nachricht aus der Heimat: Eine Freundin sei schwanger, sie brauche Ratschläge für die Vorbereitung auf die Geburt von Stefanie.

Kurzgefasst spielte sich das ab, was Stefanie Bauer dazu brachte, Geburtsvorbereitungskurse in Hafenlohr (Landkreis Main-Spessart) und Würzburg anzubieten. Denn sie möchte nicht nur Freundinnen helfen, sich ganzheitlich auf den „Tag X“ vorzubereiten.

„Es fügte sich einfach alles“

Der Anfang des Textes liest sich in etwa so, wie aus einem kitschigen Roman. Doch tatsächlich erlebte die 28-Jährige vor Kurzem einiges, das ihr selbst vorkam, wie in einem Film. „Es fügte sich einfach alles“, schwärmte Stefanie, „Die Geburt von Finn hat mich erfüllt.“ Vor etwa 1,5 Jahren ist ihr Sohn auf die Welt gekommen. Während der Schwangerschaft habe sie sich vor allem mental darauf vorbereitet. Sie wollte tiefenentspannt und gleichzeitig hochkonzentriert sein.

Mit Atem- und Entspannungstechniken, Meditation, Affirmation, Yoga und Angstbewältigung ist es möglich, eine selbstbestimmte Geburt zu erleben, so die gebürtige Lengfelderin. Ihr Wissen vertiefte sie vor einem Jahr in einem „HypnoBirthing“-Kurs. Den Begriff findet sie allerdings unpassend: „Ich schnipse nicht mit dem Finger und kippe um, wie man das bei einer Hypnose aus dem Fernsehen kennt.“

Im „klassischen“ Vorbereitungskurs auf die Geburt bei einer Hebamme waren Anatomie und Wehen „veratmen“ die Schwerpunkte. „Das war schön und gut“, aber es habe die geistige Ebene gefehlt, so Stefanie. „Als Mama muss man sich während der Geburt eigentlich nur entspannen“, sagte sie. Alles andere würden der Körper und das Baby übernehmen. Die Schmerzen seien deswegen nicht weg, aber einfacher zu ertragen.

Spontane Reise ans andere Ende der Welt

Vor Finn hatte sie zwei Fehlgeburten. Das waren schwere Zeiten. Die 28-Jährige hatte deshalb Angst, zur Geburt wieder in ein Krankenhaus zu müssen. So entschieden sie und Mann Stefan Bauer sich, den Jungen in der eigenen Wohnung zur gebären. Doch auf keinen Fall möchte sie andere zu Hausgeburten überreden. „Das Wichtigste ist, dass es ein schönes, erfüllendes Erlebnis ist, egal in welcher Umgebung“, so Stefanie.

Als der Junge dann da war, stellte das Paar fest: Der Papa sah Finn nur kurz zwischen Arbeiten und Schlafen. Das war zu wenig. Spontan entschieden sie sich zu verreisen; wie sie es auch früher gemacht hatten: Südafrika, Malaysia, Australien und Neuseeland – jetzt eben mit Kind. Erst kurz vor Ostern ist Familie Bauer von ihrer siebenmonatigen Auszeit ans andere Ende der Welt zurückgekehrt.

Äußerlich hat Sohn Finn die größten Veränderungen durchgemacht. Als er abreiste, war er nicht mal ein Jahr alt. Jetzt kann er laufen und brabbelt erste Wörter. Mit der Hand zeigte er, was er möchte. Der Trip hat auch die Eltern verändert. Stefanie Bauer ist offener, sagte sie. Fernab der Heimat haben sie weniger Pläne gemacht, sondern das Leben genommen, wie es kam; vielleicht, weil sie ihrer Intuition folgten, anstatt sich von Konventionen und der Meinung anderer lenken zu lassen.

Arbeiten am Strand

All das hat auch Einfluss auf das Leben jetzt: Die Familie lernte derweil Gleichgesinnte kennen. Ein Paar zog auf ihre Empfehlung hin deshalb nach Würzburg zum Studium. Im Gegenzug verschaffte der neue Freund Stefan Bauer Aufträge, der jetzt Webdesign macht – etwas, das man, ausgerüstet mit Notebook und Internet, auch am Strand machen kann. Stefanie Bauer schrieb als Gastautorin für Blogs. Daraufhin wurde sie per E-Mail um Tipps gebeten.

Das wiederum hegte in ihr den Wunsch, ihr Wissen weiterzugeben. So entstand der Plan, Geburtsvorbereitungskurse zu geben. Sie habe nichts zu verlieren. Das ist ebenfalls eine Erkenntnis der Reise. Wird es nichts, kann sie nach der zweijährigen Elternzeit wieder in ihren Beruf als Sachbearbeiterin im öffentlichen Dienst zurückkehren.

So fügte sich eines zum anderen. Seit Juni finden Stefanies Kurse statt, immer an vier Terminen zu je drei Stunden. Anfangs gab sie ihre Kurse nur in Hafenlohr, in den Räumlichkeiten der Schwiegermutter. Mittlerweile gibt es auch mamakompass-Kurse in Würzburg.

Ihre Räume sind mit leichten, skandinavisch inspirierten Möbel ausgestattet. Denn: „Gemütlich soll es werden“, sagte die 28-Jährige; ganz so, als ob eine Runde Freundinnen (und ihre Partner) im eigenen Wohnzimmer zusammensitzt und sich austauscht. Dazu wird Stefanie Snacks mit einer Extraportion Nährstoffen reichen, zum Beispiel Paranüsse. Was den Schwangeren und stillenden Müttern guttut, weiß sie aus eigener Erfahrung, und weil sie 2013 eine Ausbildung zur „ganzheitlichen Gesundheits- und Ernährungsberaterin“ absolvierte. Dazu reicht sie „hippe Getränke“ , und für die Männer auch mal ein Bier.

Kommentar von Dorothea Fischer

Ich bewundere Stefanie für ihren Mut sich ihre Träume zu erfüllen. Auch wenn einem die spontane, mehrmonatige Reise mit Baby ans andere Ende der Welt wie ein großes Risiko vorkommt, haben sich dort viele neue Möglichkeiten für die junge Familie aufgetan. Das sind Möglichkeiten, mit denen vor ein oder zwei Jahren noch niemand gerechnet hat.

Stefanie und ihr Mann haben sich von dem, was ihnen das Leben bescherte, nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil sie folgte ihrer Intuition und schöpfte daraus Kraft für ihre Zukunft. Sie hat Träume, geht einen Schritt nach dem anderen und verwirklicht sie.


Jeder von uns sollte genau das beherzigen, wenn er Entscheidungen für das Leben fällt: Nicht lange über das Wenn und Aber nachdenken, sondern einfach machen. Wir leben alle nur einmal.